HOMME FATAL

May 28 – July 25, 2020

Exhibition view: HOMME FATAL Andreas Chwatal

DE

 

Homme Fatal

Das französische Wort für Mann, „homme“, leitet sich aus dem Lateinischen ab und lässt sich sowohl mit „Mann“, als auch allgemein mit „Mensch“ übersetzen. Der „Homme Fatal“ bezeichnet entsprechend nicht nur einen einzelnen Mann, sondern den fatalen Menschen in seiner Gesamtheit. Dieser Deutung noch vorangehend ist die unmittelbare Assoziation mit der wesentlich geläufigeren Figur der „Femme Fatale,“ der dank ihrer verhängnisvollen Mischung aus Schönheit, erotischer Anziehungskraft und mysteriös dämonischer Kräfte die Männer verfallen. Sie verlieren jegliche Form der Selbstkontrolle und stürzen sich haltlos ins Unglück. Der oberflächliche Eindruck, man hätte es mit einer selbstbestimmten Frau zu tun, die imstande ist, Macht auszuüben, zerbricht, sobald sie in ihrer Rolle als Mittel oder sogar Lizenz des Mannes für eine Abkehr vom Rationalen agiert. Sie ist eine gute Entschuldigung, eine Ausrede.

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ANDREAS CHWATAL
HOMME FATAL

Andreas Chwatal (geb. 1982 in Regensburg, lebt und arbeitet in Burglengenfeld) verweigert sich einer in instrumenteller Weise durchgeführten Produktion, indem er Arbeiten kreiert, die durch die enorme Akkuratesse den Betrachter herausfordern und den Blick verlangsamen, indem sie die Interpretation erschweren und in diesem Sinn kein ideales Produkt darstellen. In den Vordergrund tritt der Schöpfungsprozess, die Suche nach dem Unberührten. Der Künstler bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen Schöpfen-Müssen und natürlicher Belassenheit und sucht immer neue Wege, diese Magie des Naturzustands herbeizuführen, wie etwa in seinen abstrakten Tuschebildern durch den kontrollierten Einsatz von Zufall und Fehler.
Der Titel der kommenden Einzelausstellung von Andreas Chwatal „Homme fatal“ bezieht sich auf die ganze Menschheit (homme= Mann, Menschheit), und in diesem Kontext konkret auf den Umgang der Menschheit mit der Natur.
Eine wiederkehrende Thematik im Oeuvre des Künstlers ist u.A. das Motiv des Schlosses. Dies ist vielleicht auf den ersten Blick romantisch, jedoch kann man es auch als einen Hinweis auf Feudalismus, Absolutismus und die Knechtschaft und Ungleichheit der Menschen deuten. Derart erhaben und absolut wie früher die Fürsten, herrscht heute die ganze Menschheit über die Natur und knechtet sie. Hier enthüllt der nostalgische Blick des Künstlers gleichzeitig die Problemanalyse der Gegenwart. All dies ist also eine Machtfrage: der Machtmissbrauch der Menschen untereinander und der Natur gegenüber.
Ob es sich - wie der Titel im Wortspiel Mann bzw. Menschheit andeutet - dabei nun um eine primär männliche oder doch allgemein menschliche Herangehensweise handelt, die sich letztlich aus dem Bibelauftrag herleitet, sich die Natur untertan zu machen, muss sich der Betrachter selbst fragen.
In der Ausstellung „Homme fatal“ zeigt die Galerie JO VAN DE LOO neben neuen Zeichnungen auch erstmals großformatige Gemälde des Künstlers.