LIEU DE DRAGUE

SEPTEMBER 11 – NOVEMBER 21, 2015

Exhibition view: LIEU DE DRAGUE by Andreas Chwatal

DE

 

Die Galerie Jo van de Loo freut sich, Ihnen mit der Ausstellung Lieu de Drague neue Arbeiten von Andreas Chwatal zu präsentieren. Andreas Chwatal wurde 1982 in Regensburg geboren und studierte bei Markus Oehlen an der Akademie der bildenden Künste in München. 2014 wurde er ausgezeichnet mit dem Paris-Stipendium an der Cité International des Arts, wo auch ein Großteil der Arbeiten aus Lieu de Drague enstanden ist. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, zuletzt in der Galerie Jo van de Loo und im Grand Palais, Paris. 

 

Im Zentrum von Andreas Chwatals Serie La perspective ralentie [dt.: Der Blick verlangsamt sich] befindet sich die Ansicht einer Stadt. Ihre labyrinthische Anlage wird von einer Achse durchzogen, die bis zum Horizont reicht. Sichtachsen gliedern Städte, machen sie übersichtlich und beschleunigen damit den Blick. 

Dennoch kann man sich kein rechtes Bild von dieser Stadt machen: Der Betrachter steht neben hohen Bäumen, links im Hintergrund sieht man Berge, rechts reicht die Bebauung ins Unendliche. Die Grenze zwischen Stadt und Landschaft verschwimmt und auch im Stadtraum ist wenig eindeutig: Ist die Ruine verfallen oder schon als solche gebaut worden? Brennt hinter ihren Fenstern Licht oder ist das die Sonne? Herrscht in dieser Stadt überhaupt Tag oder Nacht? Der Blick verlangsamt sich.

 

Paris. Zwischen Tuilerien-Gärten und Louvre, mitten in der europäischen Stadt, die wohl am stärksten mit Erwartungen und Bedeutungen beladen ist, befindet sich eine labyrinthartige Parkanlage, der „Lieu de Drague“. 

Chwatals verlangsamter Blick befindet sich genau an der Grenze zwischen Tag und Nacht, Wirklichkeit und Phantasma, Konkretion und Abstraktion. Aus jedem Strich kann sich eine Person entwickeln, aus jedem Punkt ein Katzenfell und aus jedem Schatten kann sich eine plastische Figur schälen wie in den Skulpturen. Der junge Mann, der so angestrengt schaut, dass sich tatsächlich etwas aus der Landschaft schält, scheint eine Allegorie dieses Blicks zu sein.

 

Text: Tillmann Severin