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THE ARTIST


E

Workpieces is the title of Tim Bennett's third solo exhibition with Jo van de Loo. In addition to new works from the Matches series, works from his most recent series will be shown, which turn abstract heads and trees into pictorial objects.

Bennett, whose practice is characterized by the use of simple, often artless and everyday materials, uses green plasterboard as a pictorial medium for the works of the Matches series. The normware, which in some places reveals its production time through a printed stamp, determines the form, format, and color of the works and has established itself in recent years as a recognizable feature of Bennett. In precise detail work, he cuts match-sized notches out of the wafer-thin top layer of the panels and then fills them with veneer wood sticks that are flush with the plasterboard. The time-consuming technique leads to a playful form of material refinement that conceals neither its work nor its raw material. Where the classic form of intarsia art is to use the finest woods possible, Bennett uses simple DIY store materials to create the ornament and lend the wall pieces a sculptural character.

At one end of each of the narrow wooden sticks, a black, white, yellow or red dot is painted on with acrylic paint, which constitutes the image of a match. It is thus left to the painter to create a figurative reference in the works that directly evokes haptic associations and lends the works a narrative component. Thus the matches seem to be sometimes organized, sometimes randomly arranged on the grey-green background. Sometimes one gets the impression that someone has lost the desire to sort halfway and has simply poured the remaining woods out of their box onto the picture. Only a closer look reveals the elaborate method, which leaves nothing to chance.

In his latest series of works, Bennett dedicates himself to the depiction of abstract heads and trees. Although the forms are still created by removing the top layer of the plasterboard and even form a relief-like structure since they are not re-closed by an inlay, the surface treatment and above all the motifs increasingly point to the painterly. While in the previous series of works, as in the Matches, the visible surfaces of the basic material were mostly left raw and uncoated, in most of the works they now appear painted over with broad brush strokes in dark colors and form the almost monochrome background for the trees and heads reduced to their basic forms.

These newly established forms in Bennett's work are not to be understood as a development towards the figurative, but rather as a continuation of his artistic engagement with abstraction and painting. The fact that Bennett concentrates precisely on the stylised forms of heads and trees in his new compositions allows a comparison of the works with those of Piet Mondrian and the De Stijl group at the transition to abstraction. Mondrian found his way into non-representation through the representation of trees, while the members of the De Stijl group devoted themselves to organic representations of the body before radically breaking away from their model of nature. The fact that Bennett takes up precisely these motifs in his new series and consciously emphasizes the painterly gesture in them is another part of his confrontation with abstraction and its implications, which condenses into a complex network of formal and content-related references.

Text: Monika Bayer-Wermuth

D

Werkstücke ist der Titel der dritten Einzelausstellung von Tim Bennett bei Jo van de Loo. Neben neuen Arbeiten aus der Matches-Reihe, werden Werke aus seiner jüngsten Serie gezeigt, welche abstrahierte Köpfe und Bäume zum Bildgegenstand macht.

Bennett, dessen Praxis geprägt ist von der Verwendung einfacher, oftmals kunstferner und alltäglicher Materialien, benutzt als Bildträger für die Werke der Serie Matches grüne Gipskartonplatten. Die Normware, die an manchen Stellen durch einen aufgedruckten Stempel ihre Produktionszeit offenlegt, bestimmt Form, Format und Farbgebung der Arbeiten und hat sich in den vergangenen Jahren als ein Wiedererkennungsmerkmal bei Bennett etabliert. In präziser Detailarbeit schneidet er streichholzgroße Kerben aus der hauchdünnen Deckschicht der Platten aus, um diese dann mit Furnierholzstäbchen auszufüllen, die wieder bündig mit der Gipskartonplatte abschließen. Die zeitintensive Technik führt zu einer spielerischen Form der Materialveredelung, die weder ihre Arbeit noch ihr Rohmaterial kaschiert. Wo es die klassische Form der Intarsienkunst vorsieht, möglichst edle Hölzer zu verwenden, sind es bei Bennett simple Baumarktwerkstoffe, die sich zum Ornament zusammensetzen und den Wandarbeiten einen skulpturalen Charakter verleihen.

Jeweils an einem der Enden der schmalen Holzstäbchen wird mit Acrylfarbe ein einfarbig schwarzer, weißer, gelber oder roter Punkt aufgemalt, der das Bild eines Streichholzes erst konstituiert. Der Malerei ist es somit überlassen, einen gegenständlichen Bezug in den Werken herzustellen, der unmittelbar haptische Assoziationen hervorruft und den Arbeiten eine narrative Komponente verleiht. So scheinen die Streichhölzer mal organisiert, mal zufällig auf dem grau-grünen Bildgrund angeordnet zu sein. Manchmal erweckt sich der Eindruck, als hätte jemand die Lust am Sortieren auf halbem Wege verloren und die noch verbleibenden Hölzer einfach aus ihrer Schachtel auf das Bild geschüttet. Erst die nähere Betrachtung offenbart die aufwändige Methode, die nichts dem Zufall überlässt.

In seinen neuesten Werkserien, widmet sich Bennett der Darstellung von abstrahierten Köpfen und Bäumen. Zwar entstehen die Formen weiterhin durch das Abtragen der Deckschicht der Gipskartonplatten und bilden sogar eine reliefartige Struktur, da sie nun nicht durch eine Einlegearbeit wiederverschlossen werden, allerdings weisen die Oberflächenbehandlung und vor allem die Motivik verstärkt ins Malerische. Während in den bisherigen Werkserien, wie auch in den Matches, die sichtbaren Oberflächen des Grundmaterials meist roh und unkaschiert belassen waren, erscheinen sie jetzt in einem Großteil der Werke mit breitem Pinselstrich in dunklen Farben übermalt und bilden den fast monochromen Hintergrund für die auf ihre Grundformen reduzierten Bäume und Köpfe.
Diese in Bennetts Werk neu etablierten Formen sind nicht als eine Entwicklung hin zum Figurativen zu verstehen, sondern vielmehr als eine Fortführung seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Abstraktion und Malerei. Dass Bennett sich genau auf die stilisierten Formen von Köpfen und Bäumen in seinen neuen Kompositionen konzentriert, lässt einen Vergleich der Arbeiten mit denen von Piet Mondrian und der De Stijl-Gruppe am Übergang zur Abstraktion zu. Mondrian fand den Weg in die Ungegenständlichkeit über die Darstellung von Bäumen, während die Mitglieder der De Stijl-Gruppe sich organischen Darstellungen des Körpers widmeten, bevor sie sich radikal von ihrem Naturvorbild lösten. Die Tatsache, dass Bennett genau diese Motive in seinen neuen Serien aufgreift und den malerischen Gestus darin bewusst betont, ist ein weiterer Teil seiner sich zu einem komplexen Netz von formalen und inhaltlichen Bezügen verdichtenden Auseinandersetzung mit der Abstraktion und ihren Implikationen.


Text: Monika Bayer-Wermuth